NUTZDACH

Die Welt redet von Nachhaltigkeit und CO2-Kompensation, man will weg von den Auswüchsen des globalisierten Irrsinns und hin zur Lokalversorgung. Überall auf der Welt werden Flachdächer begrünt und genutzt. Pionierarchitekten wie William McDonough bauen in China ganze Städte, deren Flachdächer ausschliesslich zur Nahrungsversorgung genutzt werden. Die Jungen Grünen in Zürich lancieren aktuell die „Drei-Dächer-Initiative“, die eine Nutzpflicht für neu gebaute Flachdächer vorsieht. Die Hipster-Szene in New York, London, Paris macht es vor: Die öden Brachflächen auf bestehenden Flachdächern zu nutzen macht Sinn, das Verhältnis von Vor- zu Nachteilen ist unschlagbar.

Die Zeit ist reif, auch für Basel. Dank GoogleMaps wird aus der Vogelperspektive betrachtet klar, dass unsere Stadt viele brache Flachdächer bietet. Diese befinden sich oft in Privathand auf Dächern bewohnter Mehrfamilienhäuser. Genau da will nutzDach ansetzen. Gemäss dem Slogan: „Think Big. Start Small. Act Now.“ zeigt nutzDach eine Möglichkeit, diese urbanen Brachflächen für die Selbst- und Gemeinschaftsversorgung nutzbar zu machen. Jeder soll auf seinem Flachdach ohne grossen Aufwand einen Nutzgarten bauen können.

Um den Gartenbau für moderne Familien- und Lebensgemeinschaften noch attraktiver zu machen, will nutzDach eine geeignete Form der Vernetzung finden, um den mikrolokalen Kleinhandel mit urban produzierten Nahrungsmitteln anzuregen und unterstützen (S. nutzPlatz).

Das Nutzen der brachen Flachdächer zur Nahrungsmittelversorgung bringt unter anderem folgende Vorteile:

  • Die „grüne Lunge“ unserer Stadt wird erweitert und trägt so zu einem guten Klima bei.
  • Die Selbstversorgung schafft eine Verbindung zu Nahrung und Natur.
  • Eigenes Gemüse zu produzieren ist rundum gesund.
  • Ob biologisch produziert wird entscheidet man selbst.
  • Die Bewirtschaftung kann mit modernen technischen Mitteln vereinfacht werden.
  • Die Installation kann kostengünstig gehalten werden.
  • Kompostieren macht plötzlich Sinn für den eigenen Bedarf und spart Sackgebühren.

Allfällige Gerüche stinken vom Dach aus höchstens zum Himmel.

Problematisch sind allenfalls das abschreckende Bewilligungsverfahren und der Zustand älterer Flachdächer; einige sind nicht mehr ganz wasserundurchlässig und müssten erst saniert werden.

Design wird heute meist noch verstanden als Formgebung für ein mehr oder weniger neues Produkt. Diese Definition von Design beachtet selten den Ressourcen-, Recycling- und Sozialprozess, sondern nur die Produktion und den Verwendungszeitraum des Objektes. Verschiedene Designer wie beispielsweise John Thackara sehen die Zukunft des Designs im Prozess Ressourcen zu identifizieren und Möglichkeiten zu gestalten um diese zu teilen. Zum Verständnis dieses Ansatzes ist es wichtig Thackaras Grundsatz „design with the people – not for the people“ zu beachten. nutzDach will in diesem Sinne „designen“. Die Menschen werden als Teil des Prozesses wahrgenommen. Auf eine spielerische Art wird nutzDach Möglichkeiten generieren, wie jeder sofort aktiv werden kann um seine Umwelt zu gestalten und nutzbar zu machen.

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